Freitag, Juli 24, 2009

Hochtouren Berner Oberland/Wallis - 25.07.-01.08.2009

Freitag Abend gings los nach Grindelwald und dann weiter nach Zinal im Wallis. Geplant war der Eiger über die Mittellegi, den Mittellegi-Grat und den Abstieg über die West-Flanke als Akklimatisationstour. Vorweg, das war eine Scheiß-Idee! Der Eiger ist zwar etwas unter 4000 aber auf keinen Fall etwas zum Eingehen, da keine Tour auf diesen Berg einfach ist!

Samstag 25.07.2009, Mittellegi:
Wir starteten am Samstag in der Früh zur Mittellegi, als Zustieg zur Mittellegi-Hütte (3355) um am nächsten Tag den Mittellegi-Grat zum Eiger Gipfel (3970) zu machen. Die Route ist im unteren Teil identisch mit der Lauperoute. Man startet in Alpiglen steigt zum kleinen Gletscher Honysch, an dessen Ende wird allerdings nicht nach rechts ins Nordostbollwerk geklettert sondern nach links über ein Band unter einer senkrechten Wand travesiert und dann durch das gestufte Gelände auf den Grat gestiegen. Das Gelände ist immer wieder im III Grad zu klettern und war vor allem im oberen Teil kombiniert (Eis, Fels, Neuschnee vom Vortag und viel Schotter), herumziehender Nebel und teilweise Sicht unter 20 Meter machte die Orientierung eher unangenehm. Nach 6 Stunden Erreichten wir den Grat und kletterten in einer weiteren 1/2 Stunde zum Mittellegi Biwak (die Hütte war noch nicht geöffnet). Zusammen mit zwei anderen Seilschaften verbrachten wir eine sehr gemütliche Nacht in der Biwakschachtel (eine weitere Seilschaft kam sehr spät, nachdem sie aber nach uns startete am nächsten Tag wissen wir nicht ob und wie sie den Gipfel geschafft haben).

Mittellegi:
Schwiergigkeit: S/III
Zeit: 6 1/2 Stunden
Länge: 1700hm

Sonntag 26.07.2009, Eiger (Mittellegi-Grat, West-Flanke):
Wir starteten alle um 5:00, zuerst die zwei anderen Seilschaften und dann wir (wie gesagt die Letzten starteten erst ca. 1 Stunde später). Es ging zuerst unschwierig über den Grat bis zum ersten Gratturm wo ein heikler Abschwung auf uns wartete und dann die eigentlichen Schwierigkeiten begannen. Alles weitere war sehr ausgesetzte Kletterei auf brüchigem, eingeschneitem, eisigem Kalk, immer die Nordwand und 2000hm unterm Hintern (schwer wenn auch ein paar Stellen durch Hanfseile entschärft sind). Das Letzte Stück des Grats ist dann ein Messerscharfer Firngrat, der leider bei uns überwächtet und steinhart gefrohren war. Da hieß es dann mit Frontalzacken und Haue des Pickels seitwerts bis zum Gipfel klettern, das kostete nicht nur Zeit sondern auch Nerven. Nach 4 1/2 Stunden erreichten wir den Gipfel und begannen nach 10 Minuten den Abstieg über die Westflanke. Durch Schnee (45-50°) und Fels (schotterbedeckte Bänder) gings abwärts (ca. 15x abseilen, der Rest abklettern). Der Führer schreibt über die Route: Für Ortsunkundige im Abstieg sehr schwer zu finden, Stein- und Eisschlaggefahr und bei nassem oder verschneitem Fels sehr heikel. Dem ist nichts hinzu zu fügen und deshalb brauchten wir auch 6 3/4 Stunden statt den angegebenen 4 Stunden. Ziemlich kaputt und total desillusioniert erreichten wir die Station Eigergletscher nach etwas mehr als 11 Stunden anstrengendem und hochkonzentriertem Klettern. Die erste Reaktion von uns beiden: Ab nach Hause und nie wieder klettern! Der "heilsame" Nebeneffekt, für keinen von uns beiden ist die Nordwand noch ein Thema.

Mittellegi-Grat:
Schwiergigkeit: S/III
Zeit: 4 1/2 Stunden
Länge: 1000hm

Westflanke:
Schwiergigkeit: ZS
Zeit: 6 3/4 Stunden
Länge: 1950hm

Montag 27.07.2009, Fahrt über den Grimselpass ins Wallis:
Unsere Stimmung besserte sich auch an unserem Pause/Fahrtag nicht auch wenn die Berge im Berner Oberland der Wahnsinn sind. Hier die Fotos vom Eiger und der Fahrt ins Wallis:
2009_07_26_Eiger

Dienstag 28.07.2009, Aufstieg zur Cabane de Tratuit:
Nach einer gewittrigen Nacht in Zinal stiegen wir am Dienstag Vormittag die 1600hm zur Cab. de Tracuit (3256) in 3 Stunden auf. Der Aufstieg besserte unsere Stimmung nicht und der Umstand, dass die Hütte voll war und wir keinen Platz mehr bekamen schien uns wie ein Zeichen das Weisshorn nicht zu probieren. Aber jede Minute unter dem Weisshorn Nordgrat machte mehr Lust diesen Grat mit seinen markanten Gendarmen zu klettern. Nach einigem guten Zureden bekamen wir dann doch noch einen Notschlafplatz und die nachmittägliche Ruhe vor der Hütte stärkte uns zusätzlich da an Schlaf mitten in einer Pfadfindergruppe kaum zu denken war.

Mittwoch 29.07.2009, Weisshorn (NNW-Grat, O-Grat):
Um 1:00 läutete mein Wecker (wäre nicht nötig gewesen zwischen lauter pubertierenden Pfadfindern) und nach einem Frühstück starteten wir um 2:00 Richtung Bishorn (4153) das wir um 4:30 erreichten. Eine Stunde später erreichten wir den ersten Gratturm der den Beginn der Kletterei markierte (jetzt auch mit etwas Licht). Die Kletterei machte so Spaß, dass der Eiger vergessen war und wir die Schlüsselstelle am Grand Gendarme angehen konnten (III+/IV-). Währed dem Klettern an der Stelle passierte einer uns nachkommenden Seilschaft ein Missgeschick und sie verloren einen ihrer Pickel, damit hieß es für sie umdrehen, denn nach dem Gendarmen gings auf Firn zum Gipfel. Der verbleibende Grat zum Gipfel ist wahrscheinlich der schönste Firngrat der Alpen. Mit dem Erreichen des Gipfel (4505) nach 8 1/2 Stunden war allerdings nur die Hälfte der Tour erledigt, es stand uns noch ein 5 stündiger Abstieg bevor. Dieser Abstieg ist laut Führer der schwerste Normalanstieg auf einen 4000er im Wallis, also weitere 5 Stunden konzentrierte Kletterei. Zuerst wieder über einen Firngrat, dann am Felsgrat entlang und am Ende im Schotter eine Rippe bis zum Gletscher vor der Hütte. 2 weitere Stunden brachten uns dann von der Weisshornhütte (2992) nach Randa (1404) wo wir uns ein Zimmer nahmen und bei einem Käsefondue die Tour (15 1/2 Stunden Gehzeit) noch mal Revue passieren liesen.

NNO-Grat:
Schwiergigkeit: ZS+/III+/IV-
Zeit: 8 1/2 Stunden
Länge: 2000hm

O-Grat und Talabstieg:
Schwiergigkeit: ZS/III
Zeit: 5 + 2 Stunden
Länge: 3800hm

2009_07_29_Weisshorn

Donnerstag 30.07.2009, Aufstieg Rothornhütte:
Nach der Nacht in einem richtigem Bett gings mit dem Taxi nach Zermatt (ja Taxi war billiger als Zug!) und an unserem "Pausetag" die 1600hm zur Rothornhütte (3198) hoch. Die Hütte hat nicht nur eine geniale Lage mit Blick auf das Matterhorn sondern auch einen ausgezeichneten Koch. Von der Rothohrnhütte aus gäbe es auch noch eine schöne Tour aufs obere Gabelhorn über die Wellenkuppe, die wir uns sicher im Hinterkopf behalten (hat nach einem schönen Firngrat und einem harten Felsgrat ausgesehen).

Freitag 31.07.2009, Zinalrothorn (SO-Grat, N-Grat):
Start war um 4, zuerst über einen steilen Gletscher ins Wasserloch (nasser Kamin, III-) und dann über Bänder und einen Firngrat auf den Fels SO-Grat. Von dort gings dann über ein steiles Couloir ins Eisloch (eisige Wand- und Kaminkletterei, III-/III) und weiter zur Gabel am SW-Grat und in anregender Gratkletterei zum Gipfel (4221). Der Abstieg erfolgte über den gleich schweren N-Grat. 3 Stunden gings über große und kleine Gendarmen zu einem Firngrat der in 1/2 Stunde auf dem Gletscher über der Cabane du Mountet und in einer weiteren Stunde zur Hütte führte. Der gesamte Grat war luftiger als der Aufstieg und der "amisanteste" Teil des Grates war ein sehr schmaler Gendarme (etwa 10 Meter hohe und 10 Zentimeter breiter Aufrecht stehende Platte) der direkt zu überklettern war. Von der Cab. du Mountet wartete dannoch ein 2 1/2 Stunden Abstieg über 1600hm auf uns um nach Zinal zum Auto zu gelangen.

SO-Grat:
Schwiergigkeit: ZS/III
Zeit: 4 1/2 Stunden
Länge: 1400hm

N-Grat und Talabstieg:
Schwiergigkeit: ZS/III
Zeit: 4 1/2 + 2 1/2 Stunden
Länge: 2850hm
2009_07_31_Zinalrothorn


Was gibt es noch zu sagen über die Woche...sie war gut, schlecht, schön und beschissen...aber auf jeden Fall HART und hat Lust gemacht auf mehr (allerdings nicht in den nächsten Wochen).

Edit: Ein Tag später am Matterhorn, ein tödlicher Unfall

Kommentare:

Marc hat gesagt…

REEEESPEKT!!!!

Martin hat gesagt…

Hallo Jungs,

tolle Leistung: was ihr in einer Woche schafft, dafür brauchen andere Jahre !!

Eine Richtigstellung: Der Firngrat auf das Weisshorn ist zwar wunderschön, der Biancograt ist allerdings schöner (sozusagen "wunderschöner"...). Auf jeden Fall eine Reise wert.

Tschüss