Montag, Oktober 31, 2011

Pakistan - 24.09.-30.10.2011

Nun sitzen wir im Emirates Palace in Abu Dhabi. Zum ersten Mal Zeit die letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

Als wir Ende September in Islamabad ankamen war es sehr heiss, die Luft stand richtig. Nach unserem Flug nach Skardu, vorbei am Nanga Parbat, war es dort nicht viel besser, nur nachts kuehlte auf ca. 15 Grad ab. Nach 1 1/2 Rasttagen, die unser Guide brauchte um die Unterschriften des Militaers fuer unser Permit zu bekommen, gings per Jeep durchs Shigar-Valley nach Askole. Eine Fahrt von der wir viel gehoert hatten. Die haarigen Stellen sahen wir aber gar nicht weil wir sie erst bei Dunkelheit passierten. Am folgenden Tag gings dann mit unserem Guide (Hameed), dem Koch (Wolli), 3 Portern (Ibrahim, Sheer und Bashir) und 4 Portern mit Tragtieren (Kasim und Ibrahim, die anderen 2 sandten wir schon nach 4 Tagen von Urdokas zurueck und lernten sie deshalb nicht richtig kennen) los. Ueber Jhula, Paju, Horbuse, Urdokas (alles Camps auf festem Boden) und Goro II (ab hier alle Camps am Gletscher) gings in 6 Tagen zum Concordia-Platz. Das Wetter war ein Traum und so konnten wir sogar den K2 (normalerweise sehr oft in Wolken) wolkenlos sehen. Ich hatte mich in Askole erkaeltet, das stoerte zwar anscheinend meine Akklimatisation nicht, aber das staendige Gehuste (spaeter ein Reizhusten den ich auch spaeter nicht mehr los werden sollte), Geschniefe und die Halsschmerzen nervte allerdings. Da zu diesem Zeitpunkt schon klar war, dass wir den Gondogoro La nicht queren koennen (die Fixseile wurden schon entfernt und 2 Schweden die es 1 Woche vor uns versuchten mussten beim Versuch umkehren) machten wir Plaene fuer die naechsten Tage. Zum K2 BC, zurueck, 2 Tage zum G2 BC, weiter zum Ali Camp, zurueck zum Concordia und nach Askole. Am Weg ins K2 BC fand ich nahe dem Broad Peak BC auch einen schoenen Block zum Bouldern. Die sternklare Nacht auf 5000 m war eiskalt und am naechsten Tag verschlechterte sich das Wetter zusehens. Wir stiegen bis zum Fuss der Suedwand auf (bis zu den ersten grossen Spalten, 5100 m) dann besuchten wir das K2 Memorial und kehrten zum Concordia-Platz zurueck. Dort gabs dann auch das erste Mal 10 cm Neuschnee und daraufhin entschieden wir uns abzusteigen. Auch in Goro II fing es an zu schneien. Wir konnten jede Menge beeindruckende Lawinen aus den steilen Flanken beobachten. In Urdokas konnten wir den staerksten Schneefall in der Huette des Militaerchefs aussitzten, bis unser Messtent aufgestellt war. Trotz der Schneefaelle riss es jeden Tag auch kurzfristig auf. Alle waren durch die vorhergegangenen Tage ziemlich geschlaucht, so beschlossen wir in Urdokas einen Pausetag einzulegen (da es wieder das erste Lager auf festem Grund und dadurch etwas waermer war). Wir wollten diesen Tag nutzen, um einen Versuch zum "False Summit" des Urdokas Peak zu starten. Wir kaempften uns durch Neuschnee eine teilweise fast unangenehm steile Rinne mit losem Material hinauf. Ziemlich am Anfang des Grats stellte sich uns eine ziemlich steile Platte mit Schneeauflage in den Weg. Der Schnee hatte nicht verfestigt und es hatte sich nur wenig Eis gebildet. Nach einem eher halberzigen Versuch die Barriere zu ueberwinden, gaben wir nach 3 h und 600 hm auf, um keinen schlecht gesicherten Sturz zu riskieren. Beim Abstieg rutschte ich dennoch aus und zerriss mir meine GoreTex Hose. Als wir in Paju ankamen waren wir nach 9 Tagen nur Fels und Eis froh wieder ein paar Baeume zu sehen. In Jhula entschieden wir uns ins Dumurdu-Valley zum Panmarh Gletscher zu gehen. Auf der Alm Tchok bauten wir unser Lager in einem kleinen Waeldchen auf. Bei ein paar Schaefern kauften Kasim und ich eine Ziege, die von ihm geschlachtet wurde und so bekamen wir unser erstes Fleisch seit 2 Wochen. Nach einer Tagestour zum Panmarh Gletscher stiegen wir nach Korophong ab und bevor es nach Askole zurueck ging, boulderten wir in einem Blockfeld kurz vor Askole. Dort hatten wir die Moeglichkeit bei einem Tee in Kasims Haus zu sehen wie die Menschen hier leben. Die Fahrt nach Skardu fand dann im Hellen statt. 7 h, Zeit genug um Angst zu haben. In Skardu legeten wir 2 Tage Pause ein, ausruhen, essen, Bazaar besuchen und Satpara Lake ansehen. Danke an Syed von Vertical Explorers fuer die gute Organisation, Hameed, dem Koch und den Portern fuer das unvergessliche Erlebnis und dem Team vom Hotel Snowland fuer die angenehme Zeit.
BlogBaltoro

Die Minibusfahrt nach Gilgit war dann wieder (An-)Spannung pur, senkrechte Felswaende und im Tal der reissende Indus. In Gilgit stiegen wir im Medina ab, ein Treff fuer Backpacker und fuer uns die ersten Europaer nach 3 Wochen. Gilgit selbst gefiel uns nicht wirklich, deshalb fuhren wir moeglichst schnell ins Hunza-Valley nach Karimabad weiter. Tolle herbstliche Farben empfingen uns, leider aber war das Wetter nicht mehr so gut wie in den letzten Wochen. Einen Tag machten wir einen Ausflug zur Ultar-Meadow und dem Hon-Pass (↑ 1850 m, 5 3/4h; ↓ 1850 m, 3 h). Dabei quert man unter anderem eine Felswand entlang eines Wasserkanals. Leider begann es auf ca. 4000 m stark zu schneien und die Sicht war den ganzen Tag eher bescheiden. Beim Abstieg luden uns ein paar Jaeger zu einer Suppe ein, aus Voegeln die sie geschossen hatten. Von Karimabad aus fuhren wir dann nach Ata Abad (mit dem gesamten buerokratischen Primborium), querten den See und uebernachteten in Passu, dem letzten Ort vor Sost, der Grenzstadt vor dem Khunjarab Pass nach China. Dort lernten wir einen Schweizer Professor kennen, der Messungen am Batura Gletscher macht. Am Rueckweg wanderten wir ueber die laengste Haengebruecke des Karakorums (mit 1/2 m Brettabstaenden). Zurueck in Karimabad waren die Feierlichkeiten zum Gedenken an den ersten Besuch des Aga Kahns mit tollen Bergfeuern. Ein Vorsteher eines Gemeindehauses (dem Ismailischen Gegenstueck einer Moschee) lud uns zu einem Tee ein. Von Karimabad gings wieder zurueck nach Gilgit und von dort in 18 h nach Rawalpindi. Eine wilde Fahrt auf dem weitgehend unbefestigten KKH durch Indus Kohistan, eine der Tribal Areas. In Pindi wars dann wieder sehr heiss. Wir verbrachten die letzten Tage auf den Bazaaren von Pindi und Islamabad, sahen die beeindruckende Sheikh Faisal Mosque und Daman-e-Koh. Das totale Fluhafenchaos in Pindi brachte uns dann mit Verspaetung hierher. 2 genussvolle Tage im totalen Luxus (ein wirklich krasser Gegensatz zu den letzten 5 Wochen) haben wir jetzt zum Ausspannen bevor es nach Nepal weiter geht.
BlogKKH

Uebrigens haben wir uns in Pakistan kein einziges Mal wirklich unsicher gefuehlt. Die herzliche, gastfreundliche Art der Menschen, speziell in den Northern Areas, machte diesen Teil der Reise zu einem wunderschoenen Erlebnis. Ein totaler Widerspruch zu dem Bild, dass man durch die Medien von diesem Land hat. Uebrigens werden alle Touristen die durch Askole kommen registriert und das waren dieses Jahr 680 Trekker und Kletterer im Baltoro und  Hispar Gebiet.

1 Kommentar:

muenchenrocks hat gesagt…

Sehr schöne & imposante Bilder ...
Jetzt kenn ich auch die Ziege, über die wir gestern gesprochen hatten :D