Freitag, November 16, 2018

Europa Süd-West, Teil 3, Portugal - 15.10.-16.11.2018

Diesmal ist es eine Geschichte von Plänen und wie das Leben so gehen kann, vom Reisen und sich treiben lassen. Und von unglaublicher Inkompetenz...

Josef war so nett uns seinen Portugal-Kletterführer zu leihen, so hatten wir ziemlich genaue Vorstellungen wohin wir wollten. Der erste Stopp sollte in einem Bouldergebiet nahe Porto sein. Die Rechnung hatten wir aber ohne Leslie gemacht. Die nördlichen Ausläufer des Hurrikans (ok, als er/sie auf das Festland getroffen war wurde er/sie zu einem Tropensturm zurück gestuft) hatten wir in Galizien gespürt, etwas windig und ganz schön viel Wasser, von oben/seitlich. So sparten wir uns den Norden Portugals. Zum Klettern war alles tagelang viel zu nass und wir sehnten uns nach ein paar Grad mehr. So ein Sturm bringt aber eben auch Wellen und so war schnell ein neues Ziel gefunden, Nazaré mit seinen Big-Wave-Surfern. Der Andrang der Pros war nicht gerade gering, schließlich handelte es sich um den ersten Swell der Saison. Surfen sahen wir aber niemanden, 15 Meter sind wohl doch zu unspektakulär für die Elite. Obwohl, zu erst sahen wir in Nazaré nur Betonbunker und einen Strand OHNE Wellen, ziemlich enttäuschend. Von Fotos kannten wir aber den Leuchtturm und so fanden wir sie dann auch, die Wellen und den Praia Norte. Beeindruckend, wenn die Wellen über den Fels vor dem Leuchtturm schlagen, aber surfen sahen wir wie gesagt niemanden. Die Nacht verbrachten wir am Nordstrand und lernten dabei Chanti und Joël kennen, zwei Schweizer Surfer. Der Abend und der Spot waren so nett, dass wir blieben. So konnten wir ein paar Surfern bei etwa 10 Metern zusehen, ganz schön groß oder klein, je nach dem was man betrachtet. Der zweite Abend war sogar noch netter als der erste und so hatte ich auf unserer Weiterfahrt nach Peniche ganz schön Kopfschmerzen. Nach Peniche wollten wir eigentlich um uns das Klettergebiet Cabo Cavoeiro anzusehen. Das Wetter lud aber weder zum Verweilen noch zum Klettern an der Steilküste ein und so war dieser Abstecher klettertechnisch eher ein Satz mit X. Dafür stoppte die WSL mit einem Bewerb am Supertubos und da mussten wir natürlich hin. Chanti und Joël trafen wir dabei auch gleich wieder, sie waren aber selbst zum Surfen da. Nach einem weiteren (sonnigen) Bewerbtag verließen wir Peniche in Richtung Sintra, für das totale Touriprogramm. Die berühmten Gärten (Quinta da Regaleira) sind einfach zauberhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Türmchen und Höhlen laden zum Erkunden dieser Märchenwelt ein. Da störten die Menschenmassen (selbst unter der Woche) nicht ganz so sehr. In das Bouldergebiet Praia do Cavalo kamen wir dann gar nicht, weil nicht Ebbe war. Somit also der nächste Satz mit X in Punkto Klettern. Der Klettertag am Farol da Guia in Cascais war dafür umso besser. Obwohl es fast unerträglich heiß in den Südwänden des Gebiets war, überzeugte die gute Absicherung und der perfekte Kalk. Wir kletterten den gesamten linken Teil des Sektors Ocidente (IV bis 6a+) bevor wir der Hitze entflohen und den Abend (inklusive super kitschigem Sonnenuntergang) im Bouldergebiet Baia do Mexilhoeiro verbrachten. Die Boulder verlaufen an gewaltigen Quadern direkt am Wasser. Sintra bietet aber noch viel mehr und ist vor allem für seine Granitbouldergebiete im Wald bekannt. Dort verbrachten wir einen Tag in Capuchos, ein schönes Gebiet mit leichteren Bouldern, leider etwas zugewachsen.
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Zur Einstimmung auf die nächste Woche trafen wir uns zum Abendessen mit Chanti und Joël. Paul und ich wollten nämlich in Ericeira bei Anne und Fridi einen Surfkurs machen. Eine saucoole Woche. Einziger Wehmutstropfen war das Einchecken am Camping. Die Dame dort hatte wohl einen schlechten Tag (Woche/Jahr/Leben) und wir waren drauf und dran dem Camping den Rücken zu kehren und auch hier eine Woche wild zu stehen. Wir schluckten unseren Ärger aber hinunter und lernten so Judith und Stefan mit ihren Töchtern kennen. Die vier waren mit ihrem Wohnmobil ½ Jahr unterwegs. Eine geniale Combo, die beiden Mädels waren nämlich etwa in Paul und Annas Alter und somit war die Kinderbetreuung ein Selbstläufer. Und als dann Chanti und Joël auch noch vorbei kamen war die Partycombo komplett. Sowohl Judith und Stefan, wie auch Chanti und Joël sollten wir aber in den folgenden Wochen noch viele Male treffen.
Der Kurs war der Wahnsinn, fünf Tage lang machten wir Matadouro unsicher und weil ich nach dem Vormittag (mit viel paddeln) noch nicht genug hatte, lieh ich mir zusätzlich ein Board für die Nachmittage. Am vierten Tag war ich bereit für die Outside. Und siehe da, entgegen aller Voraussagen machte es richtig Spaß und ich erwischte alle Wellen die ich anpaddelte. Zwei davon surfte ich sogar bis zum Strand. Am nachhaltigsten war aber ein Ausrutscher beim Aufrichten. Die Rippenprellung*, die ich mir dabei holte, verfolgte mich noch mehrere Wochen. Naja, nur die Harten kommen in den Garten und Surfen ist definitiv nichts für Pussies! Den letzten Tag schaffte ich aber nur mit Schmerzmitteln.
Paul stellte sich am Brett noch um einiges geschickter an als ich und selbst ein Extrawaschgang am dritten Tag verdaute er relativ gut. An den Nachmittagen testeten wir auch andere Strände, wie Ribeira de’ Ilhas oder Foz do Lizandro. Mit Joël und seinem Brett (ja, ein richtiges 6.10, nicht nur ein Softtop wie im Kurs) machte ich dann noch Praia Grande in Sintra unsicher. Schon eine andere Nummer und gewaschen wurde ich ganz ordentlich, aber ich bin so was von angefixt! Selten ein Sport bei dem ich von der ersten Minute an wusste, dass ich da unbedingt weiter machen muss. Paul und ich haben inzwischen Wetsuits und so stand dem Spaß im Atlantik nichts mehr im Wege.

* Nachtrag: Nach drei Wochen Schmerzen und einer Rippe die sich deutlich vom Brustkorb abhebt, denke ich, dass es sich vielleicht doch um einen Bruch/Anbruch handelt
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Am Farol da Guia konnten wir uns endlich bei Chanti und Joël revanchieren. Die Südwände boten perfekte Bedingungen an diesem kühlen, windigen Tag und so verbrachten wir einen super Klettertag mit den beiden. Das Sahnehäubchen war dann noch ein Onsight von Ovomaltine (6a+) und Biceps (6a), zwei Ultraklassiker in dem Gebiet. In Lissabon trafen wir wieder auf Judith, Stefan und die Mädels und besuchten die Stadt zusammen. Ein saulustiger Tag, vor allem als unsere Tram der Stromabnehmer von der Oberleitung sprang und damit nicht nur einen (Tram)Stau auslöst, sondern uns auch Zeit verschaffte Bier zu beschaffen. Als am Abend auch noch Chanti und Joël zu uns stießen, klang der Tag ziemlich feucht-fröhlich aus.
Das Verabschieden beim morgentlichen Aufbruch hatte inzwischen genauso Tradition wie das zufällige aufeinander treffen. Mit Chanti und Joël fuhren wir noch an den Strand von Costa da Caparica zum Surfen. Da wurde ich im Shore-Break gleich wieder ordentlich gewaschen.
Uns zog es weiter nach Süden, nach Sesimbra ins Klettergebiet Sesimbra Velha. Aber weder Sesimbra Velha noch Azóia luden wirklich ein mit Kindern zu Klettern und das Wetter verschlechterte sich zusehends. So wollten wir weiter in den Süden und kurz vor Sines geschah es dann, die Christbaumbeleuchtung im Armaturenbrett ging an. Ab in die Werkstatt in Santiago do Cacém. Dort dann die Hiobsbotschaft: Turboschaden. Viel schlimmer als das Loch in der Urlaubskasse, Lieferzeit mindestens eine Woche. So also aus der Not eine Tugend machen und die ganze Reise weiter entschleunigen. Die Strände rund um Sines kannten wir schon und wenn auch der Lagoa da Santo Andrés sehr schön ist, eine Woche wollten wir hier nicht versauern (noch dazu bei relativ schlechtem Wetter). An diesem Tiefpunkt kamen uns Chanti und Joël zur Hilfe. Ein Mittagessen und einen Kaffee später stand der Plan: weiter in den Süden, vorsichtig fahren und wenn das Teil vor Ort ist wieder zurück kommen. In Carrapateira trafen wir wieder auf Judith und Stefan. Ein traumhafter Strand, eine tolle Steilküste, die sogar „atmet“ und ein sehr entspannter Tag mit den vier Kids. In Sagres ist mit dem Farol do Cabo de Săo Vicente nicht nur der süd-östlichste Punkt Kontinentaleuropas, sondern auch ein ziemlich anspruchsvolles Klettergebiet (viel Trad und DWS). Mit Joël konnte ich in Foz do Fornos sogar eine Mehrseillängentour gehen. Damit wieder ein super cooler Klettertag, auch wenn die Felsqualität nicht ganz überzeugen konnte. Leider trennten sich Chanti und Joëls und unsere Wege nun endgültig, für sie gings weiter in den Süden, während wir uns noch ein paar schöne Strände östlich von Sagres ansahen und uns langsam wieder auf den Weg Richtung Turbo machten.
Der Weg zum Turbo führte uns wieder nach Carrapateira. Bei Fotos der genialen Dünung bekamen Paul und ich an den Atemfelsen eine Dusche und ich zerstörte dabei wahrscheinlich meinen Fotoapparat, nicht der erste Verlust diesen Urlaub. Unsere Neuerwerbung, ein SUP mussten Paul und ich natürlich auch testen. Jetzt haben wir dann aber definitiv NICHTS mehr Platz im Bus.
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Und so kamen wir zurück nach Santiago do Cacem. Der Turbo war da und die Arbeiten konnten beginnen, dann kurz vor Werkstattschluss, die nächste schlechte Nachricht, beim Ausbau des Krümmers waren Stehbolzen abgerissen, müssen nachbestellt werden, der Bus steht über Nacht. Leider auf der Hebebühne, also nicht nur kein fahrbarer Untersatz sondern auch kein Dach über dem Kopf. So hatten wir neben einer Nacht im Hotel (und einer Dusche) auch die Möglichkeit die Altstadt anzusehen, ist wirklich ganz nett und hätten wir sonst wohl eher nicht besucht. Der nächste Tag verging dann mit dem Einbau, wir hatten aber einen Mietwagen und bestaunten die Strände entlang der Küste südlich von Sines. Dort liegt auch noch das rostende Frack eines gestrandeten Fischkutters. Zurück in der Werkstatt war zwar der Motorraum so weit in Ordnung, nur die Manschetten am Antriebstrang des 4motion waren abgerissen. Das war nun der Punkt an dem ich explodierte, langsam hatte ich das Gefühl, dass uns jeder Besuch in der Werkstatt einen weiteren Schaden brachte. Die Werkstatt versprach die Teile zu besorgen und wir machten uns mit Zwei- statt Vierradantrieb auf den Weg in den Süden. Warten kannten wir inzwischen ja schon.
Wenn wir davor schon entschleunigt waren, kam die Reise nun praktisch zum Stillstand. Eigentlich wollten wir seit fast zwei Wochen in Marokko sein. Die Strände rund um Albufeira haben zwar ihren Charme und die Grotte von Benagil mit dem SUP zu erkunden war auch eine tolle Erfahrung, das Sandskulpturenfestival von Pêra oder die Knochenkapelle von Alcantarilha sind wirklich sehenswert, aber unsere Reise hätte definitiv anders laufen sollen. Wo war das Klettern, das neue Gegenden erkunden? Halt, wir mussten etwas unternehmen, also ging es ein Stückchen weiter, an den Rocha da Pena, das süd-östlichste Klettergebiet Portugals. Von dem kleinen Weiler sahen wir uns ein paar der Sektoren an und wanderten auf das Karstplateau (1½ Stunden, 200 hm, 4 km). Nicht nur eine schöne Wanderung, es kam auch Vorfreude auf das Klettern auf. Genau das versaute uns dann der Anruf der Werkstatt, vier Tage hatten sie benötigt um heraus zu finden, dass die Teile ab Bestellung zwei Wochen Lieferzeit hatten. Für uns eine Katastrophe, nicht nur monetär sondern auch zeitlich. Unser Urlaub sollte nur noch zweieinhalb bis drei Wochen dauern und es lagen noch 3000 km vor uns. Über den ADAC versuchten wir die Teile schneller zu beschaffen, aber alles überschattete den Klettertag. Paul stieg in einem unbenannten Sektor rechts von You never gonna make it sehr souverän eine Tour vor und sogar Karin traute sich wieder mal ans scharfe Ende des Seils. Mit meinem nicht wirklich freien Kopf stieg ich in Carpe Diem (6c) im gleichnamigen Sektor ein. Siehe da, bis auf einen kleinen Hopser am vierten Haken ging die Tour ganz gut und mit freiem Kopf würde sich das ganze nach einem sicheren Punkt anfühlen. Im Sektor Águia kletterte ich noch die wunderschöne Dejá vu (V+) und Perestroika (6a) den Direkteinstieg des Klassikers Águia. Den Tag schlossen wir mit einer Wanderung direkt durch die Sektoren hinauf auf das Karstplateau und einer Runde über den Gipfel Talefe (479 m) und das Dorf Penina zurück nach Rocha da Pena ab (2 Stunden, 230 hm, 5 km). In Penina bestaunten wir das Häuschen einer alten Dame, die uns durch ihr „Museum“ führte. Einfach toll. Der nächste Tag begann wieder mit einer Explosion meinerseits. Der ADAC informierte uns, dass die Teile beschaffbar sind und bis Freitag in der Werkstatt sein können. Leider sehr wahrscheinlich erst Freitagabend, also wenn es schlecht läuft nicht drei sondern sechs Tage verloren. Als ich mich wieder beruhigt hatte betrachteten wir unsere Lage mit der stoischen Gelassenheit, die wir uns inzwischen angeeignet hatten. Erst mal Klettern gehen, in den Sektor Bonneli Express. Am Weg machten wir Stopp im Sektor Filosofos und Karin kletterte eine Tour am linken Rand des Sektors. Schön, dass sie sich auch endlich wieder vorsteigen traut. Bonneli Express (6b) ist dann das "must do" im Gebiet (laut Führer) eine super schöne, Kletterei an Sintern, Löchern und Taschen. Endlich konnte ich wieder Klettern. Einfach nur auf den Fels und den nächsten Griff fokussiert sein und das ganze Potential aus sich heraus holen. Kein Gedanke mehr an Werkstatt, Ersatzteile, Geld und Zeit. Was für wunderschöne zehn Minuten. Beim TAB in der Bar Das Grutas die Nachricht des ADAC, die Teile sind in einem Tag da. Wir verbrachten noch einen Tag am Praia dos Arrifes. Dort entdeckten wir einen Oktopus, der im flachen Wasser beim Jagen war. Der Anruf vor der Fahrt zur Werkstatt führte dann zu meiner bis dato letzten Explosion. Zwei deutsche Touristen suchten ziemlich verschreckt das Weite. Die Lieferung ist zwar da, aber nicht alle benötigten Teile. Hätte ich einen Vorschlaghammer gehabt, ich hätte unseren Bus und jeden VW Mitarbeiter demoliert. Hatte ich aber nicht und 15 Minuten später die Entwarnung, alle Teile sind da.
Nun sitzen wir wieder in der Werkstatt ... hoffentlich machen sie beim Einbau nicht wieder etwas kaputt. Wenn aber alles gut geht, fahren wir heute noch nach Cadiz. Endlich wieder am Weg, raus aus der Warteschleife.
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Sonntag, Oktober 14, 2018

Europa Süd-West, Teil 2, Spanien - 23.09.-14.10.2018

Unsere eigentliche Reise hatte begonnen. Nach unserer Klettersteigaktion und noch viel wichtiger dem Austausch unserer Bordbatterie in Andorra, waren wir endlich in Nordspanien gelandet. Zugegeben, für den Weg hierher hatten wir doch um einiges länger gebraucht als geplant, aber wir haben ja Zeit und es ist auch einfach ein schöner Weg. Der erste Stopp war Rodellar. Inmitten eines Nationalparks an den südlichen Pyrenäenausläufern gelegen, ist der Mascún Canyon eines DER Klettergebiete Aragons. Und mit Kindern? Einfach super, viele Sektoren in denen die lieben Kleinen am Mascún spielen können, während sich die Eltern am Fels tot machen. Auch schön zu sehen, dass mein untrainiertes On-sight-Niveau immerhin bei 6a+ liegt. Roxy la Palmera (6b+, Sektor Criminal Tango) zeigte mir im oberen Teil zwar meine Grenzen auf, aber mit ein paar Versuchen sollte sich dieser Grat auch punkten lassen. Am Tag unserer Ankunft gab es gleich eine super Aktion. Jeder bekam auf dem Weg in die Schlucht einen Müllsack und Handschuhe in die Hand gedrückt und wurde aufgefordert Abfall aus dem Mascún Canyon mitzubringen. Zum einen ist die Schlucht damit einer der saubersten Plätze Spaniens und zum anderen bekamen wir Bier und Tapas, als wir den Sack wieder abgaben. Klettern waren wir in den Sektoren La Fuente, Rigole, Criminal Tango, Bikini und Furia Latina. Bis auf Criminal Tango alle sehr gut Kindertauglich. Als Rückweg am zweiten Tag wählten wir den kleinen Umweg über den Via Ferrata Espolón de la Virgen (1 Stunde, 200 hm, C). Ein zum Teil luftig geführter Klettersteig zur Einsiedelei Virgen del Castillo, der mit den Kindern (zum Teil wegen des hohen Eisengehalts) kein Problem war.
Die Tage verflogen und wir zogen nach drei Tagen im Mascún Canyon weiter nach Riglos. Böse Zungen behaupten ja die Mallos de Riglos sind der steilste Kartoffelacker Spaniens, für den Konglomeratliebhaber sind sie aber das Größte (immerhin 300 vertikale Meter). Nicht nur landschaftlich der Wahnsinn. Man hat dort nämlich auch die Möglichkeit eine riesige Geierkolonie zu beobachten. Der Camino del Cielo (4 Stunden, 450 hm, 7 km) führte uns durch die Mallos, über einen Pass und zurück zu einem wohlverdienten Eis in Riglos. Mit Paul beging ich am nächsten Morgen noch den Klettersteig von Riglos (Ferrata del Cubilillo d’Os Fils, 4 Stunden, 420 hm, 9 km, C). Wie schon in Rodellar ist der Steig mit viel Eisen ausgerüstet, macht aber trotzdem viel Spaß und der versicherte Abstieg ist wirklich sehr spektakulär durch die Türme geführt. Neben dem tollen Ausblick auf die Mallos de Riglos kann man eigentlich dauernd die Geier beobachten, wie sie um einen kreisen.
Der weitere Weg führte uns über Pamplona zur baskischen Küste. Jeder Game of Thrones Fan dürfte Dragon Stone ein Begriff sein. In Wirklichkeit heißt die Halbinsel Gaztelugatxe und beherbergt neben der aus der Serie bekannten Treppe, auch eine kleine Kirche. Ein Kap weiter östlich fanden wir einen richtig guten Platz an einem Leuchtturm für die Nacht, mit Sonnenuntergang direkt hinter Gaztelugatxe.
Ein Wort zum Übernachten: wir sind Fans frei zu stehen. Auf einen Campingplatz verschlägt es uns normalerweise erst wenn wir uns nicht mehr riechen können (also dringend duschen müssen) oder waschen ansteht oder die Toilette überläuft (was man aber oftmals auch an Wohnmobilservicestationen erledigen könnte), also so im Schnitt alle drei bis sechs Tage. Beim Freistehen sollte es eigentlich klar sein, dass man den Übernachtungsplatz sauberer hinterlässt als man ihn vorfindet. Sollte, tut es aber nicht! Leider schaden die „Dreckspatzen“ damit allen, die ein Land abseits von Campingplätzen und betonierten Wohnmobilstellpätzen erkunden wollen. Überrascht hat uns die Menge an Freistehern. Ok, um diese Zeit haben die meisten Campingplätze bereits geschlossen, aber vielleicht liegt es auch an diversen Apps, die die Nachtplatzsuche durch Vergabe von Sternchen und Kommentaren zu GPS-Positionen ziemlich einfach macht. Versteht uns nicht falsch, es ist schon schön, wenn man nicht ewig suchen muss bis man einen geeigneten Schlafplatz gefunden hat, aber bei zu vielen Kommentaren und Bewertungen für einen Platz sind wir inzwischen ziemlich vorsichtig geworden, sonst steht man schnell mit 20 anderen auf einem vollgeschissenen, staubigen Parkplatz eines ganz „geheimen“ Strandes.
Aber zurück zur eigentlichen Reise. Da wir ja nach zwei Tagen des „Sightseeings“ die Füße (und vielmehr die Hände) nicht mehr still halten können, legten wir am Weg nach Bilbao einen Kletterstopp in Urduliz ein. Ein kleiner Sandsteinbruch auf halben Weg zwischen Gaztelugatxe und Bilbao. Die Kletterei war überraschend gut und mit Paul hatte ich sogar die Möglichkeit seine erste Mehrseillängentour zu gehen. Am Gipfel war ich fast noch stolzer auf ihn, als er auf sich selbst. Der erste Schritt ist getan, um mir einen neuen Alpinkletterpartner heranzuziehen. Topos findet man im Internet und der Erschließer der neuen Sektoren stellt seine Topos dankenswerterweise auch zur Verfügung. Normalerweise umgehen wir mit den Kindern Städte, zu viel Stress und meist noch zu langweilig für die Beiden. Bilbao war da anders. Wir verbrachten einen wunderbaren Tag rund um das Guggenheim Museum und die Altstadt. Ich muss schon sagen, Bilbao ist ein überraschend nettes Städtchen. Obwohl eigentlich Industriestadt, hat es sich in den letzten 20 Jahren ziemlich gemacht und ist definitiv einen Abstecher wert.
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Von Bilbao folgten wir nun der Küste. Erst nach ein paar Tagen an wunderschönen Steilküstenplätzen (naja, einer war so ein App-Hot-Spot, dort haben wir zwar sehr nette Leute kennengelernt, aber der Platz selbst war leider total zugeschissen!). Bis wir am Playa de la Arnía unser Kletterseil wieder auspacken konnten. Ein kleines, aber für einen Nachmittag feines Klettergebiet (7 geboltete Routen von 4+ bis 6a+ und einigen cleanen Rissen) auf unserem Weg Richtung Westen.
Die Küste verließen wir nun nur noch einmal, nämlich um die Picos de Europa zu besuchen. Über Arenas de Cabrales gelangten wir von der Nordseite ins Herz des Nationalparks. Bei Sotres wanderten wir auf einen kleinen Karstgipfel um freie Sicht auf den Naranjo de Bulnes (Picu Urriellu) zu haben (4 Stunden, 400 hm, 4 km). Dieser beeindruckt schon gewaltig mit seiner Westwand. Weitaus toller auf der Wanderung war aber ein frischgeborenes Kälbchen zu beobachten und eine ganze Geierkolonie, die wohl auf ihr Glück und Abendessen hoffte. Die Mutter verteidigte das Kleine aber ziemlich wehrhaft und so mussten sich die Vögel etwas anderes suchen. In einem weiteren Tag umrundeten wir den Park auf der Ost und Südseite (über den Puerta de San Glorio) und sahen im Süden in den Park, im Valdeón. Der Torre de Cerredo ist dort der bestimmende Felsgipfel und nicht weniger beeindruckend als der Naranjo. An einer antiken Wolfsfalle übernachteten wir und kurz bevor wir diese erreichten kreuzte noch eine Bache mit einem Frischling unseren Weg.
Paul Geburtstag feierten wir dann halb/halb, erst in den Bergen und dann am Meer. Der geplante Besuch der Covadonga Seen und der Buferrera Mine war dann der erste Satz mit X in diesem Urlaub, naja Wochenende eben, da ist die Zufahrt zu den Seen nämlich für den Individualverkehr gesperrt und man müsste die Bergstraße mit Bussen machen. Da verzichteten wir auf die Massen liebend gerne und fuhren weiter zu den Cuevas del Mar. Ein kleines aber feines Klettergebiet am gleichnamigen Strand. Leider schlug das Wetter um und so wanderten wir im Regen um den Strand und die Höhlen, die durch die Brandung geformt wurden. Die Nacht am Strand war auch die erste unseres Urlaubs mit teilweise kräftigem und anhaltendem Regen (sonst hatten wir nur an zwei Tagen etwa eine Stunde Regen). Da unsere Wetterapps einstimmig besseres Wetter im Westen prognostizierten, brachen wir am Vormittag unsere Zelte ab und machten uns wieder auf den Weg. Cuevas del Mar ist mit Sicherheit ein schönes Gebiet, da die Routen aber alle nur etwa 10 Meter lang sind und es auch „nur“ etwa 20-30 Stück sind, ist es das Gebiet eher für einen kombinierten Strand-/Klettertag als für längeres Bleiben bei wechselhaftem Wetter geeignet.
Bei Gijón besserte sich das Wetter und wir konnten uns das Bouldergebiet El Tranqueru bei Xivares ansehen. Ein bisschen erinnert das Gebiet an das Märchen von Dornröschen, nur ohne Prinz und Kuss, dafür mit vielen Brombeerstrräuchern und wenigen gepuzten Bouldern. Wer das Gebiet also aufsuchen möchte, dem sei eine Heckenschere oder eine Machete ans Herz gelegt. Das zweite Gebiet war dann ein ähnlicher Reinfall. Über Cabo Negro steht schon im Führer, dass die Bedingungen durch die Nähe zum Meer selten sehr gut sind, wer aber wenn nicht Boulderer freuen sich über eine gute Ausrede. Naja, die See war stürmisch, der Abstieg an manchen Stellen ungut und die Boulder nicht wirklich zu sehen, aber die Kulisse ist beeindruckend. Dafür waren wir durch diesen Abstecher praktisch direkt am Playa de Xagó. Und da im Herbst und unter der Woche praktisch nichts mehr los ist, blieben wir gleich zwei Nächte auf einem idyllischen Platz direkt am fast menschenleeren Strand und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.
Als wir nun nach Galizien kamen, veränderte sich der Fels in den Klettergebieten und wir durften uns an Granit austoben. Unser erster Stopp war am Monte Frouxeira, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt inmitten eines Eukalyptuswaldes. Ein wunderschöner Platz und wirklich toller Fels. Dieser erinnert sehr an den Granit im Joshua Tree, sehr organisch und gar nicht so einfach. Da wir aber nun mal in der Nähe des Meeres waren, wollten wir auch am Meer Klettern. So hieß das nächste Ziel Cabo Prior. Das Gebiet ist spektakulär an dem Kap gelegen, aber absolut ungeeignet mit Kindern. Praktisch überall ausgesetztes Absturzgelände. Umso geeigneter für Kinder ist jedoch das Erkunden der verfallenen Befestigungsanlagen am Kap. Um ehrlich zu sein, hat das Durchstreifen der Bunker mehr Spaß gemacht als über der stürmischen See zu klettern. Die Nacht an einem kleinen Strand in der Nähe war dann eher weniger erholsam. Mehrmals überlegte ich das Hochdach wieder einzuklappen, damit es keinen Schaden in den Sturmböen nimmt. Doch auch diese Nacht ging herum und das Wetter hatte sich am Morgen auch wieder gebessert. Am Weg zum Cabo Vilán blieben wir dann bei der Festung von Vimianzo hängen und so begnügten wir uns damit, das Klettergebiet am Leuchtturm nur in Augenschein zu nehmen, aber nicht zu beklettern. Der Granit hier sah nicht ganz so organisch aus wie in den Gebieten zuvor, aus den Rissen rann aber noch Wasser aus der Nacht zuvor. Zufällig fanden wir dann auch noch einen der Dolmen, die es hier in der Gegend wohl zuhauf gibt.
Nun erwischte uns ein weiterer Herbststurm und so verzichteten wir auf das Castro de Baroña. Zum einen da das Wetter und die Bedingungen nicht zum Klettern am Meer einluden, zum anderen da ich vom Granit hier langsam die Nase voll hatte. So besuchten wir lieber Santiago de Compostela, um zumindest noch ein wenig Touriprogramm zu absolvieren.  Und siehe da, wir hatten Sonne und einen sehr netten Tag mit einer schweizer Familie,  die wir in Muros kennengelernt hatten. Ganz ohne Klettern wollten wir Spanien aber nicht verlassen und so verbrachten wir noch einen Tag am Monte Galiñeiro, nahe der Portugiesischen Grenze. Das Wetter hatte sich gebessert, der Fels ist Orthogneis (der mir um Welten mehr Spaß machte als der runde Granit) und nicht nur die Sektoren, sondern auch die Routen sind kindergeeignet. Es hätte ein sehr schöner und feiner Abschluss für Spanien werden können, leider dann eine Nacht mit Starkregen, einem undichten Dach und einem kleinen Mißgeschick, das fast in einer gebrochenen Nase von Karin geendet hatte. Jetzt schauen wir mal was der Nachmittag so bringt, vielleicht trocknet es ja noch ein bisschen. An Spanien hatten wir klettertechnisch große Erwartungen und die wurden vollends erfüllt. Vom perfekten Sportklettern in Rodellar, über nette Klettersteige in Riglos und Rodellar, Sportklettern an der kalabrischen Küste und eindrucksvolle Wanderungen in den Picos de Europa hatten wir alles dabei. Leider am Ende auch etwas weniger gutes Wetter, aber auch das gehört dazu. Und die Stimmung über der aufgepeitschten See, wenn die Sonne wieder heraus kommt ist sowieso jede Sturmnacht wert. Und zu guter Letzt haben wir sogar etwas Botanisches gelernt. Der Stechginster ist kein echter Ginster….stechen kann er aber wie hulle.
Nun freuen wir uns aber schon auf Portugal und auf hoffentlich ein wenig besseres Wetter als wir es die letzten Tage hatten. Wobei, Herbststürme sollen wichtig sein, um die Monster in Nazare zu formen und wer will so was nicht mal gesehen haben. Auf jeden Fall verzichten wir auf den Norden, dort sieht das Wetter der nächsten Tage ähnlich wie hier aus.
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Montag, September 24, 2018

Europa Süd-West, Teil 1, Frankreich - 11.-22.09.2018

Endlich gings los. Vorbereitung war über ein Jahr (naja, um frei zu bekommen) und jetzt am Ende war die Zeit ziemlich schnell vergangen. Um den Weg ein wenig zu verkürzen (der Start unserer Reise sollte ja in den Pyrenäen liegen), besuchten wir zuerst das Tessin, um genau zu sein Chironico. So verbrachten wir zwei einsame Tage in den Maroniwäldern beim Bouldern, bevor wir weiter an die Côte d’Azur reisten. Von Antibes ist es nur ein Katzensprung in die Verdon-Schlucht, unserem nächsten Zwischenstopp. Hier konnten wir den Sentier Blanc-Martel wandern, einen Wanderweg vom Chalet de la Marline im Süden der Schlucht, bis zum Couloir Samson im Norden (6½ Stunden, ↑600 hm, ↓800 hm, 16 km). Eine tolle Wanderung mit einigen Möglichkeiten im Verdon zu baden (speziell der Abstecher zur La Mescla zahlt sich trotz des zusätzlichen Weges sehr aus). Die Bréche Imbert und der Blick auf die l’Escales sowie die Tunnels an der Trescaire sind einfach beeindruckend. Am Abend waren wir dann aber auch gut müde. Bevor es über den langen Sandstrand bei Séte weiter in die Pyrenäen ging probierten Paul und ich noch den „Klettersteig“ (ein paar gespannte Statikseile) am Paroi du Duc. Der Sandstrand von Séte lud zum Entspannen an einer Strandbar ein und das mittelalterliche Villefranche de Conflent am Weg nach Targassonne muss man einfach gesehen haben. Targassonne ist dann fast wie nach Hause kommen. Sehr entspannter Camping und die Boulderblöcke fast direkt neben dem Bus. Am Weg nach Spanien gaben wir dann Andorra noch eine Chance. Letztes Mal war das kleine Land vor allem wettertechnisch nicht so der Bringer, so wollten wir es uns bei gutem Wetter ansehen. Bei Aixovall im Süden von Andorra machten wir einen leichten Klettersteig, den Gran Tossal d’Aixovall (↑↓1½ Stunden, 200 hm). Sehr eisenlastig und gut für Kinder zu machen.
Und nun, nun sind wir in Spanien, zum Klettern in Rodellar, der absolute Wahnsinn, sogar mit Kindern ;) Und wie es weiter geht? Schau ma mal dann seh ma schon.
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Montag, September 10, 2018

Vor der Reise ist während der Reise ist nach der Reise - 09.2018

Eigentlich ein ganz einfacher Plan für Ende August/Anfang September, vorbereiten auf unsere Bustour, nur blöd wenn einem die Arbeit einen Strich durch die Rechnung macht. Und so hieß es, vor der Reise ist während der Reise ist nach der Reise und ich saß wieder in Wyoming. Wie immer war die Zeit auf einer Anlage vollgepackt mit Arbeit, einen kleinen Ausflug zur Flaming Gorge nach Utah konnte ich am ersten Abend trotzdem unternehmen. Die Verwerfungszone gibt einen schönen Blick auf die Geologie Süd Wyomings/Nord Utahs preis und ist nebenbei ein sehr schönes Fleckchen Erde. Wandern wäre hier sicher nicht das verkehrteste. Nebenbei kreuzte einer der Waldbrände (Bender Mountain Fire) hier meinen Weg (naja näher als 10 Meilen hätte ich auch nicht ran gewollt). 
Die Woche war wieder ausgesprochen anstrengend, aber auch sehr spannend. Der Kontakt mit den Betreibern dieser Anlage ist einfach super und so war es am Ende fast schade wieder fahren zu müssen. 
Und das Wichtigste, ich habe sogar definitiv etwas gelernt: auch wenn ein Stoppschild mitten in der Wüste steht und weit und breit niemand zu sehen ist, stehen bleiben! Sonst gibts eine filmreife Fahrzeugkontrolle mit Blaulicht-U-Turn mitten am Highway, Hände am Lenkrad lassen und allem was man aus dem Fernsehen kennt.
Und jetzt gehts für uns endgültig los, keine Ahnung wann und wo wir ein Update posten werden, aber der erste Stopp ist im Tessin und dann an der Côte d’Azur.
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Donnerstag, August 23, 2018

Karins Geburtstagsklettertour im Kaiser - 19./20.08.2018

Zu Karins Geburtstag wollten wir dieses Jahr wieder etwas Besonderes unternehmen. Karin wünschte sich ein Biwak in den Bergen, ich dachte an eine schöne Kletterei, da hätte sich der Blassengrat angeboten. Nachdem für das Wetterstein Gewitter gemeldet waren, musste ich mir aber eine Alternative zum Blassengrat ausdenken. Zum Glück hab ich ja noch viele schöne Touren offen und so fiel die Entscheidung auf den Kopftörlgrat. Laut Führer der schönste Gratanstieg dieser Schwierigkeit in den Ostalpen, na das soll ja was heißen. Sonntag Abend stiegen wir zur Gruttenhütte (1½ Stunden, ↑520 hm) und weiter aufs Kopftörl auf (1¼ Stunden, ↑450 hm). Die Nacht war zum Teil sternenklar und für ein Biwak ausgesprochen bequem.
Montag starteten wir dann zum Sonnenaufgang in den ersten Teil des Grats. Über steiles Gehgelände gings leicht auf und ab in die Einschartung zwischen erstem und zweitem Gratturm. Von da an hieß es dann Kraxeln und für Karin das Seil aus dem Rucksack nehmen, a weng ausgesetzt ist es nämlich schon immer wieder. An einigen Stellen und Ständen gibt es Klebehaken, ein paar Normalhaken und auch sonst finden sich viele gute Köpferl, da ist man gar nicht gezwungen Keile zu legen. Die Linie findet sich immer logisch und so gabs nur einen kurzen, ziemlich brüchigen, Verhauer am Kaputzenturm, wo man wohl besser kurz rauf und dann nördlich herum klettert, anstatt leicht abzusteigen und eine tiefe Querung in unangenehmen Bruch zu vollführen. Der Fels ist mit Ausnahme am Kaputzenturm schön fest und wenn man am Gipfel des Ellmauer Halts steht, ist es fast schade, dass die Kletterei schon vorbei ist (5¼ Stunden, ↑450 hm, ↓150 hm). Am Gipfel bekam Karin ihre Geschenke und eine Schokolade mit Kerze sowie einem Ständchen, wobei sie auf den schrägen Gesang ihres Mannes wahrscheinlich verzichten hätte können.
Der Abstieg führt über den Gamsängersteig zurück zur Gruttenhütte (1¾ Stunden, ↓700 hm), wo wir uns Suppe und Skiwasser schmecken ließen. Der Steig ist zum Teil versichert und ganz nett, dürfte durch das viele lose Material aber den reinen Klettersteiggeher weniger freuen. Im Abstieg sahen wir auf einer Rippe unterhalb des Notabstiegs zwei Halbseile gespannt hängen, etwas seltsam, da Halbseile normalerweise nicht als Fixseile benutzt werden. Die Hüttenwirtin versprach dem aber nachzugehen. Nach einer ¾ Stunde Pause hieß es dann in der sengenden Sonne zur Wochenbrunner Alm abzusteigen (¾ Stunde, ↓520 hm), wo unsere fahrende Sauna auf uns wartete.
Ein super schöner Abend und Tag mit meiner liebsten Bergpartnerin und eine wunderschöne Tour, die einen guten Ticken alpiner ist als z.B. die Lamsenspitze NO-Kante und um einiges schwerer und ausgesetzter als ein Jubi-Grat oder eine Eisenzeit.
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Freitag, August 17, 2018

Tirolwoche mit den Kindern - 13.-17.08.2018

Karin musste arbeiten und so fuhr ich mit den Kindern direkt von Interlaken zu meinen Eltern. Montag ruhten wir uns im Schwimmbad aus und Dienstag war Regenprogramm in der Jenbacher Kletterhalle angesagt.
Mittwoch startete ich dann kurz nach 4 Uhr zum Ebner Joch. Über den Notburgasteig kam ich nach Maurach und von dort gings zur Buchaueralm (¾ Stunde, 450 hm). Oberhalb der Buchaueralm stieg ich im Wald auf, bis ich auf den Hubersteig traf und diesem folgte ich, bis er nach Süden abzweigt. Über steile, felsdurchsetzte Wiesenhänge gelangte ich zur tiefsten Einschartung zwischen Ebner Joch und Haidachstellwand (½ Stunde, 250 hm). Nun ging es immer direkt am Grat, den guten Steigspuren folgend, entlang. An einem markanten Turm war damit aber Schluss. Die vermeintlich einfachste Variante, eine brüchige Rinne an der rechten Seite, entpuppte sich als recht unangenehm. Kurz bevor man aus der Rinne aussteigt, befindet sich ein geschlagener Abseilhaken mit verwitterter Schlinge. Nachdem mir unter anderem eine ganze Schuppe entgegen kam, trat ich den geordneten Rückzug an. Keine Ahnung ob der Durchschlupf überhaupt auf den weiteren Grat führen würde. Auf jeden Fall war die Rinne gefühlt schwerer (und brüchiger) als alles in der Eisenzeit. Einen Versuch an der linken Rippe lies ich auch recht schnell wieder bleiben, zu viel Bruch und zu rutschig für heute (1 Stunde, 160 hm). Durch eine steile Schuttrinne gelangte ich hinunter zum Hubersteig und nach etwa 100 Metern zweigte ich in eine weitere Rinne ab. Über diese gelangte ich wieder auf den Grat. Nach Latschengewühle in der Rinne, überdeckte die Duftnote Latschengrün sogar den Angstschweiß und so kam ich frisch riechend am Gipfel an (¾ Stunde, 300 hm). Das Auto erreichte ich dann recht zügig über den Normalweg (1 Stunde). Nun muss ich allerdings nochmal zum Nordgrat, dann aber mit Seil und PartnerIn.
Nachmittags traf ich mich dann in Kreuth mit Karin und Vladi. Zusammen wollten wir den Schildenstein als Biketour machen. Der Plan, mit einem Bus nach Achenwald, die Tour bis Kreuth fahren und dann das Auto mit dem anderen Bus abholen, dazu aber später mehr. Die Auffahrt von Achenwald zur Blaubergalm verläuft über nicht zu steile Forstwege. Erst oberhalb der Alm muss man kurz schieben/tragen (1¾ Stunden, ↑730 hm). Der erste Trail führt zum Sattel unterm Schildenstein (¾ Stunde, ↑90 hm, ↓120 hm). Leider mit einigen (für uns) nicht fahrbaren Passagen. Zu Fuß erreichten wir den Gipfel (10 Minuten, ↑80 hm), machten kurz Pause und stiegen schnell wieder zu den Rädern ab, um endlich das zu tun weshalb wir hier waren, runterfahren. Die Abfahrt nach Wildbad Kreuth  beginnt anspruchsvoll, wird aber immer besser und flowiger (1¼ Stunde, ↑30 hm, ↓750 hm). Da ist es richtig schade wenn man im Tal ankommt. Über den Radweg gings zurück nach Kreuth (¼ Stunde), wo Karin bemerkte, dass unser Busschlüssel im Handschuhfach von Vladis Bus war ...... AHHHHHH. Das durfte echt nicht wahr sein. Also schwang ich mich aufs Rad und fuhr nach Achenwald, um den Bus zu holen (1 Stunde, ↑270 hm, ↓220 hm, 20 km), während die anderen ihr wohlverdientes TAB tranken. Trotz der Zusatzrunde eine super schöne Tour (gesamt: 40 km, 1300 hm), die Lust auf mehr Biken gemacht hat.
2018_08_15_EbnerJochSchildenstein

Seit Jahren schon hat meine Mutter noch eine Klettertour mit mir frei. Donnerstag hatten wir endlich beide Zeit, das Wetter war gut und sie war in guter körperlicher Verfassung. Von der Gramai stiegen wir über die Lamsenjochhütte zur Ostwand der Lamsenspitze, um genau zu sein zur NO-Kante (12 SL, IV), auf (2½ Stunden, ↑950 hm). Als wir kurz Pause machten, kamen noch Stephan, ein Bergführer aus Kramsach/Stans, mit seinem Gast, einem Anwärter und Stephans Tochter zu uns. Später kletterten sie immer direkt hinter uns und meine Mutter hatte somit immer jemanden zum Ratschen am Stand. Nachdem wir die Einstiegslänge (mit ein wenig Hilfe) überwunden hatten, gings zügig hinauf. Nur einem kleinen Verhauer in der dritten Länge unterbrach den Kletterfluss ein wenig. Die zwölf Seillängen sind nie schwer oder brüchig und es ist fast schade, dass die Kletterei schon zu Ende ist, wenn man am Vorgipfel steht. Von dort muss man nur noch in steilem Gelände zum Gipfel queren (3¾ Stunden, ↑350 hm). Einfach eine nette Tour, leider muss man auch noch hinunter und das zieht sich in der sengenden Sonne  etwas. Trotzdem war die Hütte bald erreicht und wir konnten uns ein TAB und eine Suppe schmecken lassen (1½ Stunden, ↓550 hm). Der obere Teil des Abstiegs zur Gramai lag nun auch schon im Schatten und so wurden wir nur auf den letzten 200 hm von der Sonne gebraten (1 Stunde, ↓700 hm). Eine sehr schöne Tour mit meiner Mutter, mit der man definitiv noch alpine Klettereien unternehmen kann und der die Tour sichtlich Spaß gemacht hat.
2018_08_16_LamsenNO

Freitag wollten wir eigentlich einen Klettersteig in Mayrhofen gehen. Als aber schon am Morgen die Sonne wolkenlos vom Himmel brannte verwarfen wir den Plan und kühlten uns im Schwimmbad ab. Wieder einmal eine sehr entspannte Woche in Tirol und ich bin neugierig was das kinderfreie Wochenende für uns bringt.

Dienstag, August 14, 2018

Guggiwochenende mit guten Freunden - 10.-12.08.2018

Wie jedes Jahr trafen wir uns mit Dani zu seinem Guggidienst. Dieses Mal ein Wochenende später als üblich, da wir zu seinem eigentlichen Dienst bei Anne und Simon auf ihrer "zweiten" Hochzeit waren. Dani tauschte aber für uns Dienst und so stand unserem gemeinsamen Guggiwochenende nichts mehr im Wege.
Freitag Vormittag trafen wir uns (Dani, Olga, Carolin, Chi Chi, Karin, Paul, Anna und ich) mit meinen Eltern auf der Kleinen Scheidegg und so konnten wir alle zusammen Richtung Guggi starten. Das heiße Sommerwetter der letzten Tage war verflogen und ein Tiefdruckgebiet hatte nicht nur Regen, sondern auch Nebel und tiefere Temperaturen gebracht. Aber eigentlich war uns das gar nicht so unrecht, da der Aufstieg in brütender Hitze kein Spaß gewesen wäre (↑880 hm, ↓160 hm, 3¾ Stunden). Diesmal musste ich keines der Kinder tragen und konnte mich einem Großteil des Essens widmen . Am Abend riss es dann sogar kurz auf und wir konnten zumindest noch kurz das Panorama genießen.
Meine Eltern stiegen Samstag schon ab, während Olga, Chi Chi, Karin und die Kinder mit mir zum Mönchsplateau aufstiegen (↑350 hm, ↓60 hm, 1¾ Stunden). Severin hatte ich versprochen die Bedingungen in der Lauper-Route zu checken und so stieg ich noch bis zum Abzweig der Lauper weiter auf (↑100 hm, ¼ Stunde). Es sah gar nicht so schlecht aus und nach einer kleinen Pause mit einer Schneeballschlacht brachen wir wieder auf (↓350 hm, ↑60 hm, 1½ Stunden). Die Guggi erreichten wir gerade rechtzeitig um noch Marcel mit seiner Frau zu treffen. Mit Martina gab es dann eine Jause mit Speck, Melone und Schüttelbrot und kurz darauf kamen auch Laura und Vladi, die bis zur Kleinen Scheidegg mit den Bikes geradelt waren. Vor dem Abendessen gesellten sich noch Geske und Sven, sowie Severin und Tobi zu uns. Die Letzeren mit dem Vorsatz die Lauper zu gehen. Und wieder zeigte sich, die Abende auf der Guggi sind einfach der Wahnsinn. Nette Leute, gutes Essen (danke Carolin und Dani; und Severin fürs Sahne schlagen) und ein Wahnsinnsambiente. In der Nacht konnten wir bei klarem Himmel auch noch den Beginn des Perseidenschauers genießen.
Der Sonntag bescherte uns dann Traumwetter und während wir frühstückten und die Guggi putzten, kletterten Severin und Tobi die Lauper. Nach unserem Abstieg auf die Kleine Scheidegg trafen wir uns dort noch mit ihnen, um sie zu beglückwünschen und uns zu verabschieden (↓880 hm, ↑160 hm, 3¼ Stunden).
Wie jedes Jahr ein Highlight in unserem Bergsommer und sehr schön, dass es meine Eltern diesmal geschafft haben uns zu begleiten. Es ist jedes Jahr einfach unglaublich wie viele nette Leute Dani um sich schart und mit wie vielen guten Freunden wir die Zeit auf der Guggi genießen dürfen. Leider hat mich das Wochenende auch etwas erschreckt. Der Gletscherschwund war mir in den letzten Jahren nie so eindrücklich aufgefallen wie dieses Jahr. So ist nicht nur der Guggigletscher massiv zurück gegangen und die Eiswand unter dem Jungfraujoch besteht nur noch aus Felsplatten, sondern auch der Nollen hat ungesund ausgesehen. Vielleicht sollte man die ganzen Klimawandelleugner einfach ein Jahr hier rauf sperren. Wobei das wahrscheinlich nur vertane Liebesmüh wäre. Traurig wie dumm der Mensch ist.
2018_08_10-12_GuggiBlog