Mittwoch, Januar 21, 2026

Alpspitze - 21.01.2026

Hämmernde Gitarrenriffs im Ohr, hämmernder Herzschlag in der Brust, Schritt, Schritt, Atmen. Die Schenkel brennen, der Blick nach unten bereitet leichtes Unbehagen. Warum mache ich das?

Szenenwechsel, eine Stunde später. Immer noch Herzschlag bis in die Ohren, gepresste Atmung, alle paar Schwünge eine kurze Pause. Dafür stehe ich in der Sonne und die Tiefe zieht nicht mehr so sehr. Aber wo war jetzt der "fahrbare" Durchschlupf? JA, das geht, nur wenige Sharks....ist eh der Steinski, Hauptsache nicht stürzen.

Wo hatte ich mich denn da schon wieder hineinmanövriert? Eigentlich waren meine Beine müde von einem sportmedizinischen Belastungstest am Dienstag, aber es war halt auch Mittwoch und richtig gutes Wetter. Schnee ist aber leider immer noch rar. Also wieder eine Pistentour, Garmisch vor zwei Wochen war nicht so schlecht und damals hatte ich schon ein paar Leute in der Alpspitz Ferrata gesehen. So stieg ich mit dem bisschen Zusatzgewicht von Steigeisen und Pickel zum Kreuzeck auf (1¾ Stunde, 950 hm). Die Beine fühlten sich nicht schlecht an, also gings weiter. Ohne den Umweg auf den Längenfelderkopf, querte ich vom Sommerweg knapp unter dem Osterfelderkopf hinüber zum Einstieg der Ferrata (1 Stunde, 510 hm). Die Spur ist super ausgetreten und das Seil weitgehend frei. Wahrscheinlich würde es im Moment sogar ohne Steigeisen gehen...ausprobieren wollte ich es aber nicht. Auch wenn die Alpspitz Ferrata sehr einfach und die Flanke relativ flach ist, ausrutschen wäre doch eher ungesund. Bis zur Schulter kamen mir ein paar andere Begeher entgegen und ich überholte eine Gruppe Gebirgsjäger (1 Stunde, 430 hm). An der Schulter kann man die Nase dann endlich wieder in die Sonne halten und es ging ein bisschen ausgesetzter das letzte Stück zum Gipfel hinauf (¼ Stunde, 100 hm).
Durchschnaufen, trinken, eine Kleinigkeit essen. Aber was jetzt? In der Ostflanke waren zwar keine Abfahrtsspuren, aber so ganz schlecht sah sie nicht aus. Da ich die Ski schonmal mitgeschleppt hatte, wollte ich eine Abfahrt zumindest probieren, wenns nicht passt, kann ich ja auch wieder aufsteigen. Was soll ich sagen, weit entfernt von perfekt, aber in diesem Winter bin ich nicht wählerisch und so würde ich sagen, das war gar nicht schlecht. Gerade im steilen, felsigen, unteren Teil, muss man höllisch auf Sharks aufpassen, aber der Treibschnee ist in der gesamten Flanke leicht zu erkennen. Es findet sich ein durchgängiger Weg, ohne dass man die Ski abschnallen müsste. Im Kessel unter der Ostflanke liegt ein nicht allzu alter Lawinenkegel und erinnert daran, dass man solche Unternehmungen nur bei halbwegs stabilen Bedingungen starten sollte (¾ Stunde). An den Schöngängen wechselte ich wieder auf Steigeisen. Im Gegensatz zur Alpspitz Ferrata sind die hier notwendig, zwischen drin gibt es ein paar Passagen mit dickem Wassereis (¼ Stunde). Und dann war die Tour auch schon zu Ende. Natürlich noch nicht ganz, aber die Abfahrt über die Piste hinunter zum Auto zählt eigentlich nicht wirklich (½ Stunde). Knapp 6 Stunden und 2000 hm nach meinem Start kam ich am Bus an. Jetzt durften die Schenkel wirklich müde sein.